Freiwillige ethische Selbstverpflichtung von Lotos-Vihara e.V.
Die freiwillige ethische Selbstverpflichtung ist die Grundlage, auf der Lotos-Vihara e.V. als buddhistisches Zentrum in Berlin-Mitte seine Gemeinschaft, seine Lehrveranstaltungen und den Umgang miteinander gestaltet. Sie beschreibt, wozu wir uns als Sangha (Gemeinschaft) verpflichten, um Grenzverletzungen und Machtmissbrauch vorzubeugen – ausdrücklich orientiert an buddhistischer Ethik und an den Richtlinien der Deutschen Buddhistischen Union (DBU).
Warum wir uns selbst verpflichten
Als Mitglieder einer buddhistischen Gemeinschaft fühlen wir uns den ethischen Richtlinien des Buddha verpflichtet: den Silas (ethischen Tugendregeln), den Paramitas (vollkommenen Tugenden) und den zehn heilsamen Handlungen, unter anderem. Zugleich ist uns bewusst, dass Auslegungen unterschiedlich ausfallen können, dass Missverständnisse entstehen und dass Verletzungen der Ethik im Einzelfall zu Missbrauch führen können. Genau deshalb halten wir es für notwendig, unsere Haltung schriftlich festzuhalten – nicht als Vorwurf gegenüber Einzelnen, sondern als Orientierung und Schutz für alle, die mit uns praktizieren, lernen oder Verantwortung übernehmen.
Grundlage: buddhistische Ethik und geltendes Recht
Unsere Selbstverpflichtung berücksichtigt sowohl die buddhistische Ethik als auch die Gesetzgebung und die Werte der Gesellschaft, in der wir leben – dazu gehören unter anderem das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das Gesetz zum Schutz der sexuellen Selbstbestimmung und das Bundeskinderschutzgesetz. Vorbild für unser Handeln ist der Buddha selbst. Diese Selbstverpflichtung ersetzt nicht die Richtlinien der jeweiligen buddhistischen Traditionen, sondern ergänzt sie – als Stütze und Schutz für die Gemeinschaft, nicht als moralisierender Zeigefinger.
Wir wollen uns darin üben, heilsame Handlungen zu entfalten
Konkret bedeutet das für uns:
- Eine Gesprächskultur der Offenheit, Wertschätzung und respektvollen Kritik zu pflegen, in der wir Verantwortung für uns selbst übernehmen und Fehler freundlich benennen, anerkennen und aus ihnen lernen.
- Die traditionsübergreifende Lehrvermittlung durch Dr. Wilfried Reuter fortzuführen, die die Essenz der drei großen buddhistischen Traditionen mit westlicher Kultur verbindet – etwa mit Erkenntnissen aus Psychotherapie, Medizin und Neurowissenschaft – ebenso wie eine mitfühlende Seelsorge und Begleitung im Leben und im Sterben.
- Menschen zu ermutigen, sich unvoreingenommen über andere Religionen und Schulen zu informieren und respektvoll darüber auszutauschen.
- Heilsame Beziehungen zu fördern – auch zwischen Dharmalehrer:innen und Schüler:innen.
- Über die Dynamiken von Grenzverletzungen und Machtmissbrauch aufzuklären und geeignete Maßnahmen vorzuhalten: ein klares Procedere, zuständige Gremien, Ansprechpersonen, Ausbildung sowie Vorträge und Workshops.
- Über Ansprechpersonen – unter anderem der DBU – für Fälle von Missbrauch zu informieren.
- Im Umgang mit Kindern und Jugendlichen besondere Verantwortung zu übernehmen: Mit ihnen arbeiten ausschließlich geeignete Personen, die von Dr. Wilfried Reuter dafür autorisiert wurden.
Wir wollen uns darin üben, unheilsame Handlungen zu unterlassen
Ebenso wichtig ist uns, was wir unterlassen wollen:
- Keine Form von Gewalt, Grenzverletzung, Entwürdigung oder Machtmissbrauch – ob sexualisiert, körperlich, verbal, emotional oder finanziell.
- Ein waches Bewusstsein für das Machtgefälle zwischen Lehrer:in und Schüler:in: kein Missbrauch dieser Rolle, keine Verführung, nach Retreats eine angemessene Wartezeit sowie eine formale und innere Beendigung der Lehrer-Schüler-Beziehung, bevor eine intime Beziehung überhaupt in Frage kommt.
- Einen verantwortungsvollen Umgang mit starken Gefühlen – Hingezogensein, Trauer, Freude –, die im Rahmen von Veranstaltungen entstehen können.
- Keine Lügen, Vertuschungen, Geheimnisse oder elitären Zirkel, die einzelne Menschen isolieren oder in Gewissenskonflikte bringen.
- Keine Strukturen absoluten Gehorsams oder Abhängigkeit.
- Kein Ausnutzen von Idealismus oder existenzieller Abhängigkeit, und kein falsches Versprechen von Karma für besonders intensive Mitarbeit.
- Keine Ausnutzung der Bereitschaft zu Dana (Spende/Geben) und keine Zweckentfremdung von Spenden.
- Keine Ausgrenzung oder kein Zum-Schweigen-Bringen bei berechtigter Kritik.
- Keine Diskriminierung – etwa aufgrund von Geschlecht, Alter, körperlichen Besonderheiten, Gender-Identität, ethnischer Identität, sexueller Orientierung, psychischer Stabilität oder der Nähe zum Dharma (Lehre des Buddha) oder zu einzelnen Lehrer:innen. Unser Umfeld soll frei sein von Einschüchterung und Erniedrigung.
- Keine Vorurteile oder Intoleranz, keine pauschale Abwertung anderer Religionen und Schulen, und nicht die Darstellung des eigenen Weges als einzig richtigen oder besten.
Ansprechpersonen und Bezug zur DBU
Unsere Selbstverpflichtung basiert auf der allgemeinen Selbstverpflichtung der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) und wurde für Lotos-Vihara leicht angepasst. Sie ist auf unserer Website veröffentlicht und bei der DBU verlinkt; die inhaltliche Abstimmung mit der DBU erfolgt fortlaufend.
Wenn Sie eine Grenzverletzung erlebt oder beobachtet haben oder unsicher sind, wie Sie eine Situation einordnen sollen, müssen Sie das nicht allein klären. Unsere Vertrauenspersonen sind für Sie da – vertraulich und unabhängig vom Tagesgeschäft des Zentrums. Ergänzend benennt auch die Deutsche Buddhistische Union (DBU) Ansprechpersonen für Missbrauchsfälle. Wer für Kinder- und Jugendarbeit oder als Lehrperson tätig ist, findet Hintergründe zu Autorisierung und Rolle auf der Seite Über unseren Lehrer.
Diese Selbstverpflichtung wurde von Dr. Wilfried Reuter und dem Vorstand von Lotos-Vihara e.V. im September 2021 unterzeichnet.
Häufige Fragen
An wen kann ich mich wenden, wenn ich eine Grenzverletzung erlebt oder beobachtet habe?
Wenden Sie sich an unsere Vertrauenspersonen oder – wenn Sie das lieber möchten – an die Ansprechpersonen der DBU. Beide sind unabhängig vom laufenden Zentrumsbetrieb erreichbar.
Ersetzt diese Selbstverpflichtung die Richtlinien meiner buddhistischen Tradition?
Nein. Sie ergänzt die Richtlinien der jeweiligen Tradition, ersetzt sie aber nicht. Sie gilt zusätzlich zu dem, wozu sich Lehrende und Praktizierende innerhalb ihrer Tradition ohnehin verpflichten.
Warum arbeitet Lotos-Vihara zusätzlich zu den tradierten Ordensregeln mit dieser Selbstverpflichtung?
Weil Auslegungen von Ethik unterschiedlich ausfallen können und Grenzverletzungen leider auch in buddhistischen Gemeinschaften vorkommen. Die Selbstverpflichtung macht unsere Haltung dazu ausdrücklich und überprüfbar.
Wer darf bei Lotos-Vihara mit Kindern und Jugendlichen arbeiten?
Ausschließlich Personen, die dafür geeignet und von Dr. Wilfried Reuter ausdrücklich autorisiert sind.